Reise nach Jerusalem (1)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 14. Oktober 2018 um 21 Uhr 39 Minuten

 

08:30 Uhr Abfahrt nach Jerusalem

Nachmittags Historische Stadtexkursion in Jerusalem mit Rosa Fleischmann

Ca. 18:00 Uhr Einchecken und Abendessen im Hotel Prima Royale Jerusalem, 3 Mendele Mocher Sfarim St. Jerusalem 92147

 [1]

Es kommt nicht oft vor, dass in dieser Publikation auch ausdrücklich über die eigene Befindlichkeit des Autors gesprochen wird. Heute aber wird dem so sein. Denn heute stand die Entscheidung an, mit der Einfahrt in die Stadt Jerusalem die eigene Kippa samt Clips aus der Tasche zu ziehen, auf dem Hinterkopf zu befestigen und bis in den späten Abend zu tragen.

Das führt zu diesen prägenden Erfahrungen:

- auf dem Weg zur Klagemauer: Ansprache durch einen jungen orthodoxen Juden, zum Gebet doch bitte auch die Gebetsriemen anzulegen. Es kommt zu einen interessanten Dialog, in dessem Verlauf die Bitte, die Einladung, die Forderung mehrmals wiederholt. Und es ist nicht ganz einfach, ihm klar zu machen, dass diese Art des Gebetes nicht die meine sei. Und es braucht eine Zeit, ihm dieses auch wirklich begreiflich zu machen. Denn sein Angebot ist ja kein Affront. Aber er muss auch - schlimmstenfalls lernen zu - akzeptieren, dass diese eben nur ein Angebot sein sein

- zu Tisch beim Abendessen: Es kommt dazu, dass ich aus den am Tisch anwesenden aus Gruppe aufgefordert - oder sagen wir lieber: gebeten - werden, mit ihnen das Gebet zu sprechen. Und ich besprechen Ihnen das Wasser, dass durch die Zugabe von Traubensaft die weinfarbene Tönung angenommen hat. Und paraphrasiere das Bild der Wandlung des Wassers in Wein. Aber ich spreche keine Gebet, nehme sie nicht bei den Händen [2]

- in dem im Hotel bezogenen Zimmer ist es so eng, dass es notwendig ist, einige Veränderungen vorzunehmen: Die Betten auseinander zurücken, ein überflüssiges Möbelstück zu entfernen - und den Fernseher. Das Personal richtet die ersten beiden Aufgaben aus, nicht aber die letzte. Nein, diesen LG-Flachbildschirm wolle man nicht anrühren, dass müssten wir schon selber tun, und für alle potenziellen Folgeschäden geradestehen, die sich daraus ergeben würden.

Alles nur kurze Episoden, die doch auf vielfältigste Weise miteinander verbunden sind [3]

Es werden zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle zwei Gespräche mit jenen beiden Frauen aus Israel eingestellt werden, die die Gruppe kontinuierlich begleitet haben: vom Programm und von der Reiseleitung her.

Anmerkungen

[1Das in dieser Anzeige auf der hauseigenen Internetseite gemachte Versprechen von kostenfreien internationalen Telefongesprächen
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ist allerdings, vorsichtig gesagt, irreführend: Bevor erstmals das Telefon genutzt wurde, gab es sicherheitshalber die Frage an den Operator, wie lokale Telefongespräche geführt und die diese ausgeführt werden. Der Grund dafür war der Umstand, dass die Beschriftung des Telefons nicht in englischer Sprache war und es auch sonst keine Icons gab, die einem hätten erklären können, wie dieses Telefon zu nutzen sei. Die Antwort lautet: Sie müssen die "9" vorab wählen, Und: Sie zahlen pro Minute eineinhalb Shekel für jedes Ortsgespräch. Womit sich die Nachfrage nach den kostenfreien Gesprächen ins Ausland dann ja wohl erübrigt hat...

[2In einem diesem Ereignis nachfolgenden Gespräch werde ich, zu Recht, auf diesen von mir nicht erfüllten Wunsch der Gruppe aufmerksam gemacht. Und im weitergehenden Verlauf wird nochmals zurückgeblickt auch die bisherige Reise und die Charakterisierung der beiden Länder wie folgt zusammenfasst:
Israel: eine posttraumatische Gesellschaft, die sich nach den Tagen der Kindheit jetzt in der Pubertät befindet
Deutschland: eine geschichtsvergessene Gesellschaft, die sich in der Midlife-Crisis befindert.

[3Darüber wird im weiteren Verlauf der nächsten Tage noch mehr geschrieben werden.


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