gamescom #10 in Köln

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 23. August 2018 um 21 Uhr 15 Minuten

 

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Es gibt wahrlich genug outlets, die über diese Veranstalung berichten werden, daher an dieser Stell nur einige ausgesuchten Eindrücken und Erlebnissen en datail vom gestrigen Messetag am 22. August 2018, die über zurückblicken und über das Aktuelle hinausweisen.

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Grosses Lob für das crowd management. Der 22. August war ja der erste schon „für Alle“ offene Veranstaltungstag. Messen mit einem so dichten Gedränge waren eigentlich nur aus den besten CeBIT-Tagen oder jenen der IFA in Erinnerung [1]. Aber mit einem deutlich älteren und weit weniger geduldigem Publikum.

Es ist wirklich auffallend, dass trotz der hohen Dichte an Menschen, trotz gelegentlichem Gedränge und Geschubse, keine wirklich aggressive Stimmung aufgekommen ist. Sowohl zu den Messezeiten, als auch davor und danach. Selbst das schon in leipziger Zeiten etablierte Camp hat – zumindest aus der eigenen Erinnerung – noch nie zu irgendeiner Art von negativer Berichterstattung geführt.

In einem Gespräch mit einer befreundeten Kollegin meinte diese, dass es ja vielleicht gerade die vielen nach wie vor existierenden „Ballerspiele“ seien, die dafür Sorge trügen, dass sich die Youngsters in der Zeit des Spiels ihre Aggressionen austragen würden, um dann im alltäglichen Umgang miteinander umso friedfertiger und freundlicher umzugehen! [2].

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Auch ist ein insgesamt positive Wertung für das gesamte Verkehrsmanagement abzugeben. An einem Tag morgens aus Berlin bin Köln anzureisen, dort den ganzen Tag zu verbringen um dann am Abend noch bis Luxembourg weiterzufahren, diese Strecke wäre so weder mit dem Flieger noch mit dem Auto zu machen gewesen.

Allerdings muss man auch bereit sein, eine Reihe von Missständen zu akzeptieren, zumal sie in dem Moment, wo sie auftreten, nicht beseitigt werden können.

Gleich morgens blieb der ICE nach Bonn-Bad Godesberg schon in Köln ausserplanmässig stehen (was ja den Weg nach Köln-Deutz nicht verlängerte aber viel der Mitreisenden, vor allem Pendler aus Berlin, ärgerte).

Der Fahrstuhl vom Bahnsteig auf die Verkehrsebene funktioniert, aber im Gegensatz dazu stehen die laut quäkenden und bei den Sonderansagen so laut rauschenden Lautsprechern, deren Nachrichten auch im Ansatz nicht zu verstehen waren.

Gar nicht funktioniert hat der Fahrstuhl am Messegelände, der auf die Empore zum Eingang Süd hätte fahren sollen (aber es ist hier auch positiv von dem Servicepersonal zu sprechen, die geholfen haben, das schwere Gepäck über die Treppen bzw. die daneben gebaute Rollebene hinaufzubugsieren).

Dennoch, die lange Erfahrung bei solchen Besuchen hier in Köln und der Presseausweis sind letztendlich dann doch eine grosse Hilfe, mit diesen und einer Reihe von weiteren Widrigkeiten klar zu kommen. Denn, insgesamt ist es schon – im Vergleich zu Berlin?! – positiv auffällig, wie routiniert und freundlich die Leute mit einem umgehen.

3.

Im weiteren Verlauf des Tages wird klar, dass es – bei aller Liebe für den Standort Leipzig – keine Alternative für einen Ortswechsel gegeben hat. Zumal „damals“, vor gut zehn Jahren, die Internationalisierung der Veranstaltung absehbar war, von daher immer weiter Forderungen nach deren Fortgang und Format von den grossen internationalen Playern hinzukamen und nicht länger ausgeschlagen werden konnten.

Es wurden im Verlauf dieses Tages eine Reihe von Gesprächen vor allem mit jenen Menschen geführt, die an der Planung und Ausgestaltung dieses Events schon seit langer Zeit beteiligt waren.

Das ergab sich fast „wie von selbst“. Denn es ist klar, dass dieses ein idealer Ort ist, sich Jahr für Jahr immer wieder zu begegnen, selbst wenn einige Jahre dazwischen gelegen haben mögen.


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4.

Ursprünglich war geplant, diesen – jeweils mit einem Ausblick verkoppelten Rückblick - in einer Reihe von Interviews zu fixieren und zu dokumentieren. Aber immer dann, wenn im Verlauf dieses Tages ein weiteres Gespräch in Gang kam erreichte es so schnell eine thematische Dichte und persönliche Tiefe, dass die Qualität einer solchen Unterredung höher einzuschätzen war als der Wunsch, das Interesse und die Bereitschaft, dieses auch für die Öffentlichkeit dokumentieren zu wollen.

Also wird hier aus der Vielzahl der Begegnungen und Gespräche eines herausgepickt und hier in voller Länge „gesendet“, das letztendlich auch einen ganz bewusst als Interview angelegten Bestandteil hatte.

Der Name der Gesprächspartnerin wird an dieser Stelle auf den eigenen Vorschlag hin nicht genannt werden (aber beim Anhören dennoch vielen aus der „Szene“ immer noch bekannt sein). Dabei erwies sich nicht nur das gegenseitige Vertrauensverhältnis als Vorteil, sondern auch der Umstand, dass sie die Entwicklung der Branche seit Mitte der zweitausender Jahre aktiv und verantwortlich mitgestaltet, heute aber ihre Tätigkeit auf andere Schwerpunkte verlegt und daher die Chance hat, möglichst unabhängig davon zu berichten.

[Audio folgt]

5.

Damit schliesst sich wieder der Kreis. Und es ist an dieser Stelle nicht mehr der richtige Ort, auf die vielen vielen einzelnen Ereignisse, Produktpräsentationen und Erlebnisse einzugehen. Sondern es gilt vielmehr festzuhalten, dass in gewisse Weise das am Vortag und im Vortrag angesprochene Motto von der Vielfalt als Lebens- und Erlebensqualität dann doch sehr konkret und in vielen keinen Beispielen als überzeugend präsentiert hat. Das wieder auferstandene Deutschland, dass sich mit seinen Messen in Hannover und Berlin auch international wieder hat etablieren können und das Gefahr läuft, an den Folgen des eigenen Erfolgs zu ersticken, diese Deutschland wird seit dem Fussball-Weltmeisterschafts-Sommermärchen und seit den wachsenden Erfolgen von Veranstaltungen wie der re:publica und der gamescom von einem neuen Impetus geprägt. Dieser leitet sich nicht länger aus den Wurzeln der Aufbauarbeit nach dem zweiten Weltkrieg ab, sondern auch einer neu gewonnenen Identität, die auch zunehmend im Ausland Anerkennung und Achtung gefunden hat.

6.

Ja, die Branche ist jetzt im Mainstream angekommen. Das gilt auch dann, wenn nach dem grossen Auftrieb an politischer Prominenz eine vergleichbar valable Präsenz nicht ausgemacht werden konnte. Nicht nur, dass die Räumlichkeiten schon am ersten Publikumstag brechend voll waren, sondern vor allem auch die vorgeschaltete games-Entwickler- und die games-Konferenz selber erfreuten sich eines grossen Zuspruchs.

Als pars pro toto hier der Originalton aus einer dieser Sessions, in der der um die Bedeutung der Kunstfreiheit in den Medien ging.

[Audio folgt]

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Am Ende des Tages wird die Reise weiter fortgesetzt. Eine Regionalbahn, "Eilfel-Express" genannt - zuckelt als moderner - mit Klimaanlage und Steckdosen an den für Behinderte vorgesehenen Plätzen ausgestatteter - Zug quer durchs Land. Je länger der Diesel unter dem Sitz vor sich dahintuckert und je weiter wir uns von diesem ganz besonderen Ereignis und Ort entfernen, desto deutlicher wird es, wie weit diese Welten von einander entfernt sein können.

Ja, es mag sein, dass der Zug „an jeder Milchkanne“ hält, an Orten, die manchmal kaum noch als Bahnhof zu erkennen und als sogenannte „Bedarfshalte“ gekennzeichnet sind. Und die dennoch, jeder für sich, seine eigene Berechtigung, Identität und Geschichte hat.

So wie einst das Fernsehen, werden es in Zukunft gerade die Spiele sein, die hier von wachsender Bedeutung und von immer grösserem Einfluss sein werden. Die grosse Zahl der Mitreisenden, die den Zug auf dieser Strecke nach und nach mit ihren Armbändern und an den Ständen eingesammelten Devotionalien verlassen, sind der beste Beweis dafür.

8.

Ja, auch wir haben miteinander gesprochen, aber auch diese Gespräche waren zu spontan, interessant und teilweise auch schnell zu persönlich, als dass man sie hier nochmals in Form eines Interviews hätte präsentieren können.

Aber es bleibt das innere Bild von diesen jungen Mädchen, die in der für diesen Messetag ausgesuchten Kleidung ihrer Spiele-Vorlagen als reale Referenz aus verflossenen Tagen oder nur ersonnenen Geschichten schon fast wie „natürlich“ wieder in diese Wald und Berge-Landschaft zu passen scheinen, als seien sie dieser erst heute in der Frühe entkommen…

Anmerkungen

[1Beides Veranstaltungen, bei deren Trägern der Autor jeweils für viele Jahre in deren Diensten gestanden hat.

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