Noch ein Sonntagsbild zum "fliegenden Weiss"

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonntag Letzte Bearbeitung: 13. Mai 2018 um 22 Uhr 30 Minutenzum Post-Scriptum

 

Bereits am 22. April 2018 hatten wir einen ersten Text zu diesem Angebot publiziert: Ein Sonntagsbild zum "fliegenden Weiss"?.

Es ging um das Angebot für einen Tuschepinsel-Künstler-Workshop: "Einen Tuschepinsel in die Hand nehmen"

Dazu gab es dann auch ein erstes Teaser-Interview, das mit dem Künstler und Kurator Andras Schmid im Nachgang der beiden heute durchgeführten Kurse geführt werden konnte:

Wir werden an dem heutigen Tag das Thema nochmals aufgreifen und an dieser Stelle im Nachgang zu diesem Kurs ein weiteres Sonntagsbild - ggf. sogar aus eigener Hand - einstellen.

Hier ein Auszug aus dem Text der Einladung:

Der Workshop findet am Sonntag, 13.5.18 von 14:00-15:30 Uhr in unseren Räumen in der Nürnberger Str. 49 statt. Das Material wird gestellt, Sie müssen nichts Besonderes mitbringen. Bitte denken Sie an die Gebühr in Höhe von € 20,- , die in bar zu entrichten ist.

Die Ausstellung ist am Sonntag ab 11:00 geöffnet, von 11:30-12:30 findet ein Ausstellungsgespräch mit Dagmar Yu-Dembski, Konfuzius-Institut der Freien Universität Berlin und Katja Schöppe-Carstensen, Hegenbarth Sammlung Berlin
Die beiden Kunsthistorikerinnen führen durch die Ausstellung und erläutern vor dem Hintergrund einer chinesisch-deutschen Familiengeschichte den Kulturaustausch zwischen Deutschland und China in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Dauer ca. 60 Minuten
Eintritt frei, Führungsentgelt 3 €

Ja, es gibt dieses Sonntagsbild. Und es wird hier, dem oben gemachten Versprechen gemäss, auch veröffentlicht. Aber es ist nicht Ausdruck des Arbeitsfortschritts an diesem Nachmittag [1], sondern: eine Improvisation über das Scheitern.

Denn nichts gelang: Der Ansatz des Pinsels auf dem Papier, die richtige Menge an Tinte, die Haltung des Schaftes, die Positionierung des Körpers, die Konzentration der Kräfte um sodann im richtigen Moment auch loslassen zu können, das Atmen, ...

Aber es war gut, verstehen zu lernen, wie viel Übung und Erfahrung es bedarf, um auch nur die minimalen Standards einer solchen Kunstfertigkeit zu erfüllen. Geschweige denn, darüber hinauszuwachsen. Und einen eigenen Stil zu finden, der bestenfalls all das wieder aufhebt, was zuvor mit viel Mühe und Fleiss erworben wurde.

Daher die Entscheidung, am Schluss der gut eineinhalb Stunden diesen Zusand sinn-optisch zu imaginieren, in dem es eh’ noch nichts zu vergessen gibt, weil man noch nichts wirklich gelernt hat.

Und jetzt, siehe da, spricht doch das Ereignis dieser Schöpfung für den Zustand, in dem dieses geschieht:
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Die Tintentropfen sind Tränen und die beiden Lebens-Linien sind die Spuren des darin aufgelösten Ying und Yang, des Männlichen und des Weiblichen, von Alpha & Omega.

Auch wenn es vielleicht noch nicht gelungen sein mag, dass sich dieses im "fliegenden Weiss" vor die Augen setzt, so erzählen diese Zeichen doch von dem dir davonfliehenden Wissen, dass keinen anderen Wert mehr hat, als den, dagewesen zu sein.

WS.

P.S.

Andreas Platthaus hatte dazu einen am 14. April 2018 am Abend nochmals überarbeiteten Text unter dem Titel: Probier’s mal mit Geschicklichkeit im Feuilleton der Frankfurter Allgemeine publiziert.

Anmerkungen

[1Hier zwei Beispiele aus fremder und aus eigener Hand:
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