Enttäuscht von der Realität?!

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 3. April 2018 um 11 Uhr 44 Minuten

 


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In der Hoffnung, mit diesem Beitrag keinen Rechtsbruch zu begehen, hier der Hinweis auf den Ausschnitt eines Interviews mit Steven Spielberg (in der Mitte), das Stefan Aust (links) und Martin Scholz (rechts) im Rahmen seiner Promo Tour für den neuen Film Ready Player One in London geführt haben [1].

Im Gegensatz zu dem Zitat, über das sogar in den Kulturnachrichten berichtet und mit dem in der WELT am 1. April 2018 aufgemacht wurde: „Virtual Reality ist eine Superdroge“, ist es diese kurze Einsicht in den Produktionsprozess des Films in VR-mode, die von Bedeutung ist: Spielberg bringt das mit diesem einen Satz auf den Punkt, als er von seinen Dreharbeiten innerhalb der Virtuellen Welt spricht und sagt: " There is no cameraman, I was the camera."

in den zweiten Teil des auf dieser Seite eingespielten Interviews spricht Spielberg über die neuen Konsum(er)gewohnheiten, und dass man sich in der Virtuellen Welt wieder an den Augenkontakt zu gewöhnen habe. Am Ende seines zum Leben erweckten "Second Live" - Kino-Dramas sagt er: "It’s a cautionary tale": Es sei (noch) eine Märchen und (doch schon) zugleich eine Warnung.

Auf diese Frage nach der Entscheidung zwischen einer realen und einer virtuellen Welt geht Spielberg in einem der vielen anderen Interviews ein, die diesem vorangingen. So zum Beispiel in dem THEGLOBEANDMAIL-Beitrag vom 26. März 2018: Spielberg’s Ready Player One explores possible future of VR


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Beim "Durchblättern" der vielen Publikationen, die im Vorfeld des Filmstarts lanciert wurden - wie dieses Interview von Josh Rottenberg, bei dem auch der Autor Ernest Cline mit dabei ist, in der Los Angeles Times vom 23. März 2018: ‘Ready Player One’s’ Steven Spielberg and Ernest Cline on pooling their nostalgia to tell a new story - hängen sich dann auch gleich die Marketing-Spezis an und werben mit Angeboten wie diesem Nebenstehenden. Auch wenn hier in dieser Anzeige etwas ganz anderes angesprochen werden soll, nämlich das Ziel, die Arbeit effektiver zu gestalten, insbesondere, wenn es um das Bewältigen von komplexeren Zusammenhänge geht.


In dem Film aber geht es um Eskapismus:

Spielberg: You know, desperately seeking escape is not nostalgia. It’s something we’re all familiar with. Escapism is something, especially today, that people are craving more than ever before just to get out of the desperately depressing news cycle. There have been desperately depressing news cycles in every decade from time to time, but it’s pretty profound now. And so I thought, “This is the right time for this.”

Und es geht um die Art und Weise, wie in Zunkunft angesichts dieser neuen technischen Entwicklungen und Möglichkeiten Geschichten im Film erzählt werden können:

Spielberg: I give up a lot — and we will. There’s going to be a whole new paradigm for narrative storytelling if VR really catches on, which I think it will. Most technologies adapt themselves to the conventional narrative. But in this new future world of 360, filmmakers are going to have to tell stories differently. We’re going to have to find different ways of leading an audience through the VR experience to get them to look where we need them to look so we don’t lose the story.

Stanley Kubrick was a friend of mine and he always used to say, “I live for the day where I can have a hand in changing the narrative form.” VR may be the way that forces all of us to change that form of storytelling.

Cline: Already I feel like there’s a paradigm shift that’s about to happen. With VR, we can literally put you in someone else’s shoes. I did a VR experience where it was a 360 of going through a refugee camp and it made you feel like you were there. It’s one thing to see it on a two-dimensional screen. It’s another thing to be able to see it all around you and examine the details. I think this movie will definitely draw more people to virtual reality, to explore it and see the potential of it as both a communication tool and a storytelling tool.

Bleibt am Schluss die Frage, warum in den Medien in Deutschland dieses These von der Virtual Reality als Superdroge erst jetzt aufgegriffen wurde, nachdem sie von einer Zeitung in Deutschland nach einem Interview in London zur Darstellung gebracht wurde.

In der hier zitierten LATimes vom 23. März 2018 kam dieser Satz bereits klar und deutlich zur Geltung:

Spielberg: I think in the future VR is going to be the super drug. The message of the film is simply, it’s your choice. Where do you want to spend the majority of your time? Do you want to spend it with real people in a real world, which is often harder than spending it in a virtual world where you can be the person you always wanted to be — where the id becomes the self? Is that a world you really want to live in for the rest of your life?

Die Frage, dies sich stellen wird, wenn der Film erst einmal an- und durchgelaufen sein wird, könnte auch noch von ganz anderer Natur und Tragweite sein. Sie lautet: Was wäre, wenn sich in dem Er-Leben in der VR-Welt nach und anch herausstellt, dass die Wunsch-Person, zu der man dort mutierte nicht die ist, die man letztendlich wirklich hätte werden wollen? Wie wäre es, wenn das Erleben in den virtuellen Welten dazu ermutigen könnte, es in der realen Welt noch einmal erneut zu versuchen?

Anmerkungen

[1Es ist wirklich nett zu sehen, wie bei diesen Gelegenheiten Steven mit Schlips und Weste daherkommt - "in real" ist er dem Autor so noch nie begegnet :-)


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