Design Thinking (HS_028) (I)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 26. Mai 2018 um 16 Uhr 14 Minutenzum Post-Scriptum

 

0.

Ab heute starten wir erneut mit - hoffentlich - dreiundzwanzig TeilnehmerInnen des Kurses HS028 aus dem 6. Semester Wirtschaftskommunikation an der bbw-Hochschule in Berlin.

1.

Zur Vorbereitung werden am Ende dieses Eintrages Links eingestellt, über die man sich informieren kann, wie vorangegangene Kurse zu diesem Thema abgelaufen sind, welche Themen angesprochen, welche Aufgaben gelöst wurden.

In dieser Zusammenstellung werden nur vorangegangene Bachelor-Kurse berücksichtigt. Bei Interesse werden aber gerne auch die Links und Skripte zu den MasterClasses wiedergegeben.

Aber auch im Rahmen des Bachelor-Studiengangs ist kein Kurs ist wie der vorangegangene. Das hängt auch von der Grösse und Zusammensetzung der Gruppe ab und von den äusseren Rahmenbedingungen, unter denen der Kurs stattfindet.

Gut vorbereitet zu sein bedeutet für den Professor nicht, die Gelegenheit zu nutzen, um seine schon zuvor gehaltenen Vorlesungen wieder aus der Schublade - bzw. von seinem Server - zu ziehen und wieder dort anzufangen, wo er schon das letzte Mal angefangen hat. [1].

Das bedeutet Mehrarbeit, aber auch: Mehr Überraschungen, mehr Spass und - letztendlich - mehr Produktivität.

2.

Angesichts des sich immer weiter verdichtenden Trends einer erneuten Verschulung des Studiums, soll in diesem letzten Semester (nochmals oder erstmals) die Gelegenheit angeboten werden, sich an einem konkreten Projekt abzuarbeiten. Und aus diesen Erfahrungen zu lernen, die Bachelor-Arbeit noch besser oder auch anders als bis dahin geplant zu schreiben: Um bestenfalls zu erfahren, warum man das alles letztendlich wirklich macht und was es gebracht haben wird, wenn dieser Abschnitt der Ausbildung abgeschlossen sein wird.

3.

Und daher - without further ado - hier zunächst einmal dieser Film, in dem exemplarisch dokumentiert wird, wie ein solcher Prozess - ein zunächst total unerreichbares Ziel zu erreichen - mit einer solchen Methode in Gang gesetzt und dann doch zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden kann.

OK GO - Gravity is just a habit - Documentary from Carlo Alberto Orecchia on Vimeo.

Wem dieses Video zu lang ist, hier eine alternative Fassung, die nur zeigt, wie immer und immer wieder an der einen Schlusseinstellung gearbeitet wird, jedes Mal eine Einstellung von maximal 28 Sekunden nutzend, die die Schwerelosigkeit auf einer solchen Parabelflugbahn lang ist:

OKGO -Thunderdome Reel - Upside Down & Inside Out BTS from Geoff Shelton on Vimeo.

Und hier - at last but by no means least - das Musikvideo, das für den Grammy-Award 2017 vorgeschlagen wurde:

4.

Dieses Beispiel macht deutlich, wie wichtig die Zuarbeit von und Zusammenarbeit mit externen Experten ist, dass es aber vor allem darauf ankommt, welches Ziel sich die Gruppe selber setzt. Und wie sie damit umgeht.

Bei der Gruppe der Studierenden dieses Kurses kann ein solches Teambuilding nicht vorausgesetzt werden. Auch wenn alle schon eine geraume Zeit miteinander verbracht haben. Mit dem zunehmenden Druck der nun anstehenden Abschlussarbeit mag es wieder verstärkt darum gehen, dass jede(r) ihr (sein) Prüfungs-Projekt realisiert bekommt.

Wir werden daher vorab klären, welche Personen im Verlauf dieses Tages und der folgenden Tage wirklich anwesend sein werden. Diese Frage wird schon vorab in einem Rundschreiben an alle TeilnehmerInnen gerichtet werden, damit wir selbst am ersten Tag nicht allzu viel Zeit mit organisatorischen Fragen vertrödeln. Und damit klar ist, unter welchen verbindlich geltenden Rahmenbedingungen wir dieses besondere Projekt dieser Veranstaltung werden erfolgreich durchführen können.

5.

Wichtiger wird zunächst sein, folgende Rahmenbedingungen herauszufinden:
- Wer schon von diesem Thema etwas gehört hat
- Welche Erwartungen mit diesem Kurs verbunden werden
- Welche besonderen Möglichkeiten die zeitlich komprimierte Arbeit anbietet
- Welche besondere Bedeutung der Raum in diesem Zusammenhang hat
- Welche Form des Abschlusses bevorzugt/sinnvoll ist: Klausur oder Präsentation
- Welche Rahmenbedingungen für die eine oder andere Alternative gelten
- Welche Vor-Erfahrungen mit/bei dem Einsatz von selbst genutzten elektronischen Medien vorliegen
- Welche Rolle die von der Hochschule bereitgestellte Infrastruktur bieten/spielen kann
- Welche Qualifikation können als geben für die TeilnehmerInnen vorausgesetzt werden: wissenschaftliches Arbeiten [2] und zitieren [3]

/ Nutzung audiovisueller Medien / Kenntnisse der englischen Sprache oder des US-amerikanischen Englisch / ...

Am Ende dieses Tages sollten dazu erste Antworten und daraus abgeleitete Leitlinien vorliegen, die dann sogleich am Folgetag umgesetzt werden könn(t)en.

6.

Dass es sich hier um eine Methode von hoher Praxisrelevanz handelt, davon zeugen die hier exemplarisch ausgesuchten Beispiele, die sich - auch durch Beiträge von Seiten der TeilnehmerInnen - erweitern liessen:

- History of Design Thinking with SAP:

- Design Thinking @ Deutsche Bank:

- Understand IBM Design Thinking in 10 minutes:

7.

Dass in diesem Kurs keine komplette Literaturliste durchgearbeitet werden kann - und muss -, liegt in der Natur dieses Vorhabens selber. Dennoch hier einige - ggf. weiterführende Literaturhinweise:

- Roberto Verganti: DESIGN-DRIVEN INNOVATION
Changing the Rules of Competition by Radically Innovating What Things Mean
Harvard Business Press 2009

© all rights reserved

- Clayton M. Christensen, Taddy Hall, Karen Dillon, David S. Duncan: Competing Against Luck
The Story of Innovation and Customer Choice
Harper Business 2016

© all rights reserved

Bernhard Krusche, Sonja Zillner (17 May 2008):
— Stop making sense! Successful team cooperation in global context
Print ISSN1618-7849
— Stop Making Sense! Erfolgreiche Teamkooperation in globalen Kontexten
Online ISSN 1862-2615 [4]

- Sonja Zillner, Bernd Krusche:
Systemisches Innovationsmanagement. Grundlagen – Strategien - Instrumente. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-7910-3198-9. Reihe: Systemisches Management.

- K Schwaber, Jeff Sutherland (October 2011)
The Scrum Guide - The Definitive Guide to Scrum: The Rules of the Game
ISSN: 00195847

8.

Hier gibt es zumindest einige ausgesuchte Einblicke, wie diese Methoden an anderen Hochschul-Orten entwickelt wurde und heute gelehrt wird, von Potsdam über Stanford bis Sydney:

POLITIKEN DES DESIGNS - Kurs an der FH-Potsdam, Fachbereich Design. Bericht von Nadine Kreuzahler im Rahmen der Info-Radio-Reihe zum Thema: "Wie politisch kann Kunst sein?" vom Pfingsmontag, den 21. Mai 2018:

Hasso-Plattner-Institut, HPI, School of Design Thinking, Potsdam:
Wer Gefallen hat an dieser Methode / an dieser Art der Arbeit, hat die Möglichkeit, sich zum Wintersemester 2018-19 über diesen LINK bis zum Ende des Monats Juli zu bewerben.
Am 13. Juni 2018 gibt es einen Tag der offenen Tür.

Wer Interesse an einer Teilnahme hat, kann sich HIER registrieren.

- Tom and Dave Kelley, founder of the d.school, speak in July 2013 at MIT’s Media Lab about the start of Design Thinking Method at the Product Design Program at Stanford:

- Justin Ferrell "Fireside Chat on Design and Innovation"
Day 2 of the Digital Innovators’ Summit in Berlin 24 March 2015 [1]
starting at: 05:00

Justin Ferrell - Fireside Chat on Design and Innovation from Digital Innovators’ Summit on Vimeo.

School of Design Thinking. 1st O’Connel St, Sydney, NSW 2000, Australia:
Juliana Proserpio, ECHOS: May 17, 2018: The End Of The Digital Divide In Services.

9.

Hier einige Beispiele von Vorträgen zu diesem Thema:

- "Dasein als Design"
In diesem Beitrag von Daniel Hornuff, * 1981, zur Zeit Vertretungsprofessor für Kunstwissenschaft an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, werden drei Kategorien von Design vorgestellt:"Selbst-Design", "Produkt-Design" und das sogenannte "unsichtbare Design". Sein im Deutschlandfunk am 7. Februar 2016 verlesener Beitrag: "Dasein als Design" ist vom Sender online gestellt worden und kann hier in 27:06 Minuten nachgehört werden:

diese beiden noch hinzugefügt:

- Ein Vortrag von Gerald Cupchik [5] zum Thema: "Smart as photography: The Thinking-Eye and Being-I" gehalten Anfang November 2016 auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Photographie in Mannheim:

Vortrag: "The Thinking-eye and Being-I Behind Smartphone Photography".
Smart- wie Kameraphotographie verkörpern komplementäre Beziehungen zwischen dem Thinking-Eye, das mit Absicht sein Motiv umrahmt, und dem Being-I, das ohne Absicht einen Sinn ausdrückt. Dies spiegelt die Unterschiede zwischen Veritas und Aletheia wider. Veritas, mit dem Denkenden Auge in Verbindung gebracht, setzt einen selbstbewussten Schwerpunkt auf „Fakten“, die der vermuteten „Wirklichkeit“ entsprechen. Aletheia, auf das intuitive Existierende Ich bezogen, ist auf die Enthüllung des Sinns in einer ganzheitlich strukturierten Welt gerichtet. Sie bietet Perspektive, die Kerngehalte aufdecken, indem sie Schichten des Verdeckten und Vermuteten abziehen. Das Paradox der spontanen Smartphonephotographie liegt darin, dass man außerhalb der Situation stehen muss, um Intuitionen auszudrücken. Zugespitzt verwandeln „Selfies“ den Menschen in ein Objekt, das dem Fluss des Lebens entfremdet ist.

- Ein Vortrag von Georg Seeßlen [6], der im Rahmen des Kölner Kongress’ 2017 [7] gehalten und am Sonntag, den 9. April 2017 in der Reihe "Essay und Diskurs" ab 9.30 Uhr im Deutschlandfunk ausgestrahlt / gesendet wurde. Der Titel: "Was bisher geschah, wird wieder geschehen".
Dieser Vortrag kann HIER als Skript nachgelesen und auch nachgehört werden.

10.

Schon dieser kurze Einblick lässt erkennen, dass es nicht DIE DEFINITION für Design Thinking gibt, wohl aber viele Anregungen und Hinweise, eine solche zu finden, die mit den eigenen Erfahrungen und Beürfnissen in Übereinstimmung sein könnte.

Dabei wird es hilfreich sein, sich auch ein wenig in der bundesdeutschen Disign-Geschichte umzuschauen. Beispiele dafür wurden in dem Skript vom 5. April 2017 an dieser Stelle zusammengestellt.

Um Sie aber mit einer Aussage nicht im Regen stehen zu lassen, hier als Handreichung eine Zusammenstellung wichtiger Kriterien, die die Anwendung dieser Methode bestimmen:

"DESIGN and THINKING are equally important"

- Have the customer in mind all the time

- Break the silos like those of the Brockhaus

- „We work: as a team, in a team… for our own“

- Collect the info’s, define the unknown, do the impossible

- Do focus more on basic needs and not on the technology

- Respect technology as a purpose but not as your destination

- Respect the learnings by doing MVPs

- Do early prototyping and real-time testing

- Look for feedback, it’s needed for survival (& improving the product)

- Learn from the (habits of the) people

- Be aware of empathy and activate contextual awareness

- Iterate relentlessly…

- "Fail, fail again, fail better"

- Search for entrepreneurial sustainability

- Look for authenticity and affiliation

- Don’t be afraid of Serendipity

P.S.

Dieses Video wurde erstmals im Nachgang auf den Digital Innovators’ Summit 2018 in Berlin auf der selbst genutzten Pressreader-Plattform unter pressreader.com/@okgo entdeckt. Dafür Dank und Grüsse an PRESSREADER SPOTLIGHT und LIGHTS AND SHADOWS PRODUCTIONS*
© all rights reserved
WS.

*) Wir wissen noch nicht, wer diese Leute sind:
— https://www.shadowsandlightmedia.com/
— http://www.shadowlightproductions.ca/
— https://www.light-and-shadows.com/
— https://vimeo.com/lightnshadowlb
— http://lns.com.sg/

Anmerkungen

[1Wer Lust auf solche Präsentationen hat, der/dem sei hier als pars pro toto der Mitschnitt eines Vortrages zum Thema "Your Future in VR" vorgestellt, der 2016 im Berliner Congress Centrum am Alexanderplatz gehalten wurde:

[2

Guideline of Academic Work

[3

Hier ein kurzer Vergleich auf zwei der in Deutschland am häufigsten eingesetzten Systeme:

Endnote hat den Vorteil, dass es für Windows, Mac und iOS verfügbar ist und eine sehr brauchbare Cloud Lösung hat. Und es ist für Leute, die sehr viel international wissenschaftlich in Fachzeitschriften publizieren, viel mächtiger als Citavi. Endnote kommt mit über 6000 Templates für Literaturverzeichnisse und Fußnoten praktisch für alle denkbaren Fachzeitschriften, egal welcher Disziplin.

Also für jemanden, der sich ernsthaft damit beschäftigt, weil er z.B. promoviert oder sonst wie wissenschaftlich tätig ist, sicherlich die bessere Wahl, allerdings mit einer hohen Lernkurve und sehr angelsächsisch.

Citavi ist besser an den deutschen Markt angepasst, viel intuitiver und hat im Gegensatz zu Endnote sehr schöne Möglichkeiten, in Projekten neben den reinen Literaturhinweisen auch Informationen zu sammeln. Wenn man in der Regel nur vor sich hinschreibt und mehr für sich selbst publiziert, umfasst Citavi sicherlich die 20% des Featuresets von Endote, die man braucht.

Die Leute pflegen Ihre Anwendung auch kontinuierlich, obwohl natürlich viel kleiner als Thomson-Reuters, aber sie haben es z.B. vergeblich versucht, ihre Anwendung auf MacOS zu portieren oder eine App zu basteln, die dann z.B. mit Dropbox funktioniert. Auch als Entwickler sind die Endnote Leute viel besser (und wahrscheinlich 10x so viele).

Citavi sieht immer so aus, als ob nie mehr als zwei Leute da dran bauen (in dritter Generation oder so, ich sehe immer so eine Alm-Softwarewirtschaft vor mir mit Bildern der Großväter und Väter an der Wand, wenn ich die Software starte). Sehr familiäre Software, aber selbst wenn die irgendwann mal eingehen sollten, weil keine Nachkommen mehr auf der Alm sind, die die Fackel weiter tragen, kann man kann die Daten rechts solide in eine Vielzahl von Formaten exportieren.

[4Look at the Copyright Clearence Center for this title

[5

Gerald Cupchik studierte an der University of Michigan (BA, 1967), erwarb seinen Master (1970) und sein PhD (1972) an der University of Wisconsin. Nach der Promotion studierte er an der University of Toronto, wo er seit 1974 Professor für Psychologie ist. Er arbeitete mit Gelehrten aus vielen Bereichen zusammen, mit Fokus auf die ergänzende Anwendung von quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden, um die Erfahrungen in der Kunst, in der Gestaltung, in der Literatur und im Film zu untersuchen. Er war Präsident der Society for the Psychology of Aesthetics, Creativity and the Arts (APA) Division 10, der International Association for Empirical Aesthetics sowie der International Society for the Empirical Study of Literature. 2010 gewann er den Rudolf Arnheim Award der APA. Sein Buch The Aesthetics of Emotion: Up the Down Staircase of the Mind-Body ist kürzlich bei Cambridge University Press erschienen. Eine Serie von neun Vorträgen über Gefühle und Ästhetik ist auf www.utsc.utoronto.ca/publications/aestheticsofemotion zu lesen.

[6

Georg Seeßlen, geboren 1948 in München, Studium der Malerei an der Kunsthochschule München, ist freier Journalist, Filmkritiker, Autor und lebt in Kaufbeuren. Sein Blog heißt "Das Schönste an Deutschland ist die Autobahn". Zuletzt veröffentlichte er im Suhrkamp Verlag mit Markus Metz "Geld frisst Kunst - Kunst frisst Geld. Ein Pamphlet."

[7Das Interview von Michael Langer mit Barbara Schäfer (09:17 min) vom 4. März 2017 wird vom Sender nicht als Podcast-File bereitsgestellt und kann daher leider an dieser Stelle auch nicht wiedergegeben werden. Stattdessen gibt es einen Mitschnitt von dem Live-Feature: "Freitagabend um zehn nach acht in Deutschland."


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