No show: Israel! Da capo?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 31. Mai 2018 um 10 Uhr 21 Minutenzum Post-Scriptum

 

Wenn es eine neue Reise nach Israel geben hätte, dann hätte sie am letzten Freitag begonnen. Hat sie aber nicht.

Diese Reisen werden von der Bundeszentrale für politische Bildung seit Beginn der sechziger Jahre durchgeführt [2].

Zum 50. Jahrestag der Diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland war eine Teilnahme nicht möglich.

Aber schon zu diesem Zeitpunkt stand diese 2013 publizierte Broschüre zur Verfügung, die auch heute noch eine gute Grundlage für die Vorbereitung darstellt:

Israel kurzgefaßt

Daher wurde zum Anlass des 70. Gründungsjahres des Staates Israel ein neuer Versuch unternommen, nachdem am 5. Februar 2018 eine Einladung mit dem Titel zugestellt wurde, der da lautete:

"Studienreise der Bundeszentrale für politische Bildung für Journalistinnen und Journalisten / vom 4. bis 16. Mai 2018 / Noch Bewerbungen möglich!" [3].

Anlass dafür ist u.a. diese Ausschreibung der Stiftung evz, in der danach gefragt wird, wie es mit den Möglichkeiten des Theaters und damit verwandter Künste möglich sein kann, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten - ja, vielleicht besser noch - neu zu beleben:

Dabei könnte sehr hilfreich sein, dazu nicht nur die eigenen aktuellen Befindlichkeiten in diesem Land auszuloten, sondern auch am Ort der religiösen wie institutionellen Wahl-Heimat der Juden an- und nachzufragen, wie dort dieses Thema für die Zukunft derjenigen gesehen wird, die sich nicht mehr mit Zeitzeugen werden besprechen können.

Nach mehrfacher Korrespondenz und Telefonaten ist nunmehr eine Reise für den Oktober 2018 avisiert.

WS.

P.S.

An dem Tag, als dieser Text erstmals in Netz gestellt wurde, am Mittwoch, den 14. Februar 2018, gibt die Zeit-Redaktion einen Überblick über die Texte der nächsten Ausgabe. Einer davon trägt die Überschrift: "Deborah Feldman plädiert für eine neue jüdische Erinnerungskultur" und lautet:

Die US-amerikanische jüdische Schriftstellerin Deborah Feldman spricht sich in ihrem Essay in der Wochenzeitung DIE ZEIT für eine neue jüdische Erinnerungskultur aus. "Wann immer ich irgendein Unbehagen verspürte, wurde ich schlagartig von Schuld erfasst und dem Bedürfnis, die besagte Empfindung zu entwerten" - immer in Anbetracht dessen, was ihre Großmutter während der Todesmärsche erlitt. Erst nach ihrem Umzug nach Berlin im Jahr 2014 habe sie sich von der belastenden Erinnerung an den Holocaust befreien können. Feldman, 1986 geboren, entschied sich dazu, ihren Sohn anders zu erziehen: mit dem Ziel, dass seine Zukunft nicht überschattet wird "von unserer Vergangenheit". Sie schreibt: "Ich will, dass mein Sohn über den Holocaust Bescheid weiß, aber ich will mitnichten, dass er sich an ihn ‚erinnert‘. Ich würde dies für kein Kind wollen."

Am 24. Februar 2018 gibt es eine Pressekonferenz auf der Berlinale mit der Gewinnerin des Goldenen Bären für den besten Kurzfilm: "The Man Behind the Wall" von Ines Moldavski. Und sie sagt u.a. dieses:

Am 27. Februar 2018 kommt trotz unmittelbar an die Einladung anschliessender und nachfolgend mehrfacher Kontaktaufnahme mit dem Haus die Nachricht: "Die Reise im Mai ist bereits ’ausgebucht’ ".

Damit ist dieser Eintrag keine Auftakt- sondern zugleich ein Schlussbericht. Die zunächst zu diesem Eintrag gesetzte Überschrift "Israel? Da capo!" wurde in die nun ausgeschriebene Form "Israel! Da capo?" abgewandelt [4].

Frühere Einträge zu früheren Reisen finden sich u.a. hier:
- http://www.daybyday.press/article2749.html
- http://www.daybyday.press/article2836.html
- http://www.daybyday.press/article2838.html
- http://www.daybyday.press/article2835.html
- http://www.daybyday.press/article2837.html
- http://www.daybyday.press/article2841.html
- http://www.daybyday.press/article2842.html

Am 11. April 2018, dem "Holocaust Martyrs’ and Heroes’ Remembrance Day" in Israel, trifft eine weitere mit einem Israel-Titel werbende Nachricht aus der ZEIT-Redaktion ein:

Am 15. April 2018, 12:30, treffen die neuen #notiTSen von Thomas Sattelberger ein, in denen er über seinen österlichen Aus-Flug nach Israel berichtet und schreibt:

Am Gründonnerstag mit Steven nach Tel Aviv. Sonne tanken. Spannendes Land. Viele Start-ups. Leider habe ich keines besucht. Hätte aber den Kurzurlaub vielleicht doch etwas zu fachlich geraten lassen? Wir genießen frischen Fisch mit Blick aufs Meer. Und fahren nach Jerusalem. Mir wird bewusst, auf welch engem Raum hier Konflikte ausgetragen werden. Und was es für die Menschen hier bedeuten muss, wenn es am dicht bevölkerten Tempelberg zu Unruhen kommt. Wie lässt sich all dies lösen? Ich bejahe ohne Aber und ohne Wenn das Existenzrecht Israels. Gleichzeitig müssen wir diejenigen einhegen, die auf beiden Seiten den Versöhnungsprozess immer wieder torpedieren.

Anmerkungen

[1Eine weitere Alternative für "Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der politischen Bildung" bietet sich für die Zeit vom 5. bis zum 17. Oktober 2018.

[2Ein exemplarischer Bericht der Journalistin Katarzyna Weintraub über eine solche Reise im Jahr 2011 findet sich auf der Blogspot-Seite des Veranstalters bpb:studienreisen.

[3

Sehr geehrter Herr Dr. phil. Siegert,
in diesem Frühjahr feiert Israel den siebzigsten Jahrestag seiner Staatsgründung. Dieses Jubiläum nehmen wir zum Anlass, sowohl einen Blick in die Geschichte des Landes zu werfen als auch auf aktuelle innen- und außenpolitische Debatten einzugehen und einen Ausblick auf die Zukunft des jüdischen Staates zu wagen.

Während der Studienreise werden wir unter anderem den grundlegenden Fragen nachgehen, welche Ideale und Ziele der Gründergeneration in den vergangenen sieben Jahrzehnten umgesetzt werden konnten und welche Her! ausforder ungen nach wie vor ungelöst oder neu hinzugekommen sind.

Die gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Diskurse über soziale Ungleichheiten und die Erosion demokratischer Werte sollen dabei ebenso beleuchtet werden wie Israels aktuelle sicherheitspolitischen Herausforderungen und seine Rolle im Nahen Osten. Auch die Beziehungen Israels zu den USA, Europa und den Palästinensern werden zu diskutieren sein.

In Gesprächen und Begegnungen mit Repräsentant(inn)en aus Politik, Medien, Wissenschaft und Kultur sowie durc! h Exkursi onen wird ein intensiver und differenzierter Einblick in die gesellschaftliche und politische Realität Israels geboten. [...]

[4Eine weitere Alternative für "Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der politischen Bildung" bietet sich für die Zeit vom 5. bis zum 17. Oktober 2018.


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