Neues für Daten-Flug-Reisende

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 27. März 2008 um 22 Uhr 35 Minuten

 

Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND meldete die Einigung mit den USA zum Thema Passenger Name Rcords (PNR) als erste: am Montag, den 17.5.2004, um 16:43 Uhr:

Abkommen über Fluggastdaten mit den USA verabschiedet

Das geplante Abkommen der EU mit den USA zur Übermittlung von Fluggastdaten hat die letzte Hürde genommen. Das Europäische Parlament hatte zuvor massiv protestiert.

Die EU-Kommission verabschiedete am Montag in Brüssel formal das Abkommen und leitete es an die EU-Staaten weiter. Die Kommission verteidigte erneut das Vorhaben, das europäischen Fluglinien und deren Passagieren die nötige Rechtssicherheit gewähre. Die US-Behörden hätten einen "angemessenen Schutz" der Daten vor Missbrauch zugesagt.

Das EU-Parlament hatte am 21. April den Europäischen Gerichtshof angerufen, ein Gutachten über das Abkommen abzugeben. Nach Ansicht der Parlamentarier, die in dieser Angelegenheit keine Mitbestimmung haben, gibt es keine Rechtsgrundlage für die Datenübermittlung zu Zwecken der öffentlichen Sicherheit. Das Abkommen tritt in Kraft, wenn der EU-Ministerrat und die USA es unterzeichnen.

Bei den von den USA verlangten Auskünften geht es um Daten, die beim Verkauf eines Tickets vermerkt werden wie beispielsweise Kreditkarten- und Telefonnummern. Insgesamt handelt sich um 34 Einzelpositionen, die dreieinhalb Jahre von den zuständigen US-Behörden gespeichert werden können. Diese Übermittlung ist bereits Praxis, da die Fluggesellschaften unter der Androhung von Strafen seit März 2003 Daten aus ihren Buchungssystemen den USA zur Verfügung stellen. Der US-Kongress hatte nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Es soll helfen, Terroristen frühzeitig auszumachen.


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Am gleichen Tag, als diese bereits "eingebürgerte" Praxis nun auch formal - trotz massivem Einspruch des Europaparlaments [1] - von der EU-Kommission "abgesegnet" wurde, empfängt die TOMORROW FOCUS Redaktion von dem Geschäftsführer ihrer Technologie-Tochter, Dr. Peer Lodbrok, folgende:

Mail aus 12 000 Metern Höhe

Ich sitze an Bord der Lufthansa Airbus A340-300 „Göttingen“ von München nach Los Angeles. Mit diesem Flug nimmt die Lufthansa den Routinebetrieb von FlyNet auf, dem weltweit ersten breitbandigen Internetdienst an Bord eines Linienflugzeuges.

Wir sind pünktlich um 11.10h gestartet. Nach rund 45 Minuten haben wir unsere Reiseflughöhe von 12 000 Metern erreicht. Purser Klaus Tille begrüßt uns an Bord und erklärt, dass wir heute Airline-Geschichte schreiben. Wir erleben den ersten kommerziellen Routine-Flug mit breitbandigem Internet-Access und einem speziell für Lufthansa von der TOMORROW FOCUS AG entwickelten Onboard-Internet-Portal. Der letzte weiße Fleck auf der Kommunikations-Landkarte ist damit verschwunden.

Mitten über dem Nordatlantik, höher als der Mount Everest, kann man nun als Passagier der Lufthansa am Ball bleiben: einfach nur im Internet surfen, Mails empfangen und versenden, sich im Onboard-Portal über das aktuelle Weltgeschehen informieren, spezielle Reiseinformationen und Tipps für den Zielort lesen oder im Online-Shop nach Geschenken für die Lieben zu Hause suchen und gleich bestellen.

Mit Spannung schalte ich meinen Laptop an. Sofort findet er über Wireless LAN die Verbindung zum Bordnetz und los geht s. Die Portalseite öffnet sich. Hier kann ich unter mehreren tausend redaktionellen Beiträgen auswählen oder über Satellitenverbindung direkt ins Internet gehen. Während das Portal kostenfrei ist, muss ich für den Internetzugang zahlen. Pro Flug verlangt der Access Provider Connexion, eine Boeing-Tochter, 29,95 Dollar, was für Geschäftsreisende sicher keine Hürde darstellt. Für Economy-Passagiere ist der Betrag möglicherweise aber zu hoch.

Manche mögen den Verlust dieser letzten kommunikationsfreien Oase bedauern. Ich genieße aber vor allem die Vorteile des Angebots. Auf dem rund zwölfstündigen Flug habe ich endlich mal Zeit und Muße, mich über Themen zu informieren, die in der Alltagshektik untergehen. Oder ich schmökere im Buchshop und stelle mir die Lektüre für meinen nächsten Urlaub zusammen. Ich kann auch meine Mails abarbeiten. So habe ich nach meiner Rückkehr mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Erreichbar bin ich letztlich nur, wenn ich es will - und nicht wenn andere es wollen. Auch eine Form von Luxus.

Das Angebot kommt auch bei den anderen Passagieren gut an. Hinter mir sitzt ein amerikanischer Nachrichten-Reporter von ABC News. Wie sich herausstellt, ist er ein Vietnam-Veteran und war als Reporter schon im ersten Golf-Krieg dabei. Er ist gerade auf dem Heimweg von einer längeren Geschäftsreise und nutzt die Online-Verbindung für einen kleinen Mail-Chat mit seiner Frau.

PS. Aus unserer montag-abendlichen Mail-Mappe der nachfolgende Auszug aus der On-Air-Korrespondenz mit dem flugbegleitenden Pressesprecher der Deutschen Lufthansa:

- sent: Mo 17.05.2004 22:44

Danke, Herr Dr. Siegert,

Sie erreichen mich an Bord von LH542. Es klappt alles bestens.

Schönen Abend nach Berlin

Michael Lamberty

- Your message To: LAMBERTY, MICHAEL
Subject: Herzlichen Glueckwunsch...
Sent: Mon, 17 May 2004 22:34:44 +0200
was read on Mon, 17 May 2004 22:42:51 +0200

- Original Message From: Dr. Wolf Siegert
To: LAMBERTY, MICHAEL
Sent: 5/17/2004 10:34 PM
Subject: Herzlichen Glueckwunsch...

Sehr geehrter Michael Lamberty!

Wo immer Sie diese Mail auch erreichen mag: Herzlichen Glueckwunsch für das Erreichte.

WS.

Anmerkungen

[1Am 30. Mai 2006 wird per SMS auf dem "Handy" die folgende Nachricht der "Netzeitung" abgesetzt:
Weitergabe von Fluggast-Daten an USA illegal - Entsprechendes Abkommen von EU und USA verstösst laut Europäischem Gerichtshof gegen EU-Recht und Datenschutz.


 An dieser Stelle wird der Text von 5812 Zeichen mit folgender VG Wort Zählmarke erfasst:
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